Das Rittergut


Das Rittergut Frankenfeld

 

Wer in schneller Fahrt über die Landstraße dahineilt, die die Stadt Rethem mit dem Flecken Ahlden verbindet, ahnt wohl kaum, dass nur wenige 100 m abseits dieser Straße das kleine historische Dorf Frankenfeld mit dem Rittergut Frankenfeld liegt. Der Name deutet darauf hin, dass es eine fränkische Siedlung aus der Zeit Karls des Großen (780 n. Chr.) ist. In Verbindung hierzu steht der Sachsenhain bei Verden.

Das Gut Frankenfeld war von alters her im Besitz der Familie v. Honstedt. Bereits um 1360 läßt sich diese Familie hier nachweisen. Das Geschlecht v. Honstedt - mit dem Landkommissar G.W. v. Honstedt vor 100 Jahren ausgestorben - wird bereits um 1200 zu den Dienstmannen des Bischofs von Verden gezählt; Friedrich v. Honstedt war von 1300 bis 1312 sogar Bischof von Verden. In ununterbrochener Geschlechterfolge saßen die v. Honstedt zunächst bis 1696 auf Gut Frankenfeld.

Im Jahre 1594 wurde durch landesherrlichen Privileg dem damaligen Besitzer Arnd v. Honstedt, Drost zu Nienburg, die Errichtung einer Gutsmühle bewilligt, die sog. Frankenfelder Bockmühle, die heute als älteste Bockwindmühle Niedersachsens in Rethem steht, wurde errichtet.

Im Jahre 1696 verkauften Hauptmann Christian Ludwig v. Honstedts Töchter den Besitz für 14.539 Taler an den Vice-Oberappelationsgerichts-Präsidenten Johann Christoph Georg v. Hedemann. Eleonore v. Hedemann ehelichte 1716 den Land- und Schatzrat Georg Wilhelm v. Honstedt und brachte Gut Frankenfeld mit in die Ehe; das Gut kam somit wieder an die v. Honstedt.

Eng verbunden mit dem Frankenfelder Gut war das Rethemer Burglehen der Familie v. Honstedt und das Gut Donnerhorst bei Wohlendorf. Nach den Landesmatrikeln von 1701 haben die Güter Frankenfeld und Donnerhorst sogar zu dem Rethemer Burglehen gehört. Nach Lehensbriefen von 1669 und 1691 waren die Honstedt auch belehnt mit dem Dorf Frankenfeld, dem halben Zehnten von Rethem, der hohen und niederen Jagd im Bosser Bruch, einer Verbürgerstelle in Rethem und dem Fischfang auf der Aller. Ein Teil dieser Rechte war auf Donnerhorst übergegangen und durch Veräußerung dieses Gutes 1698 an Geheimrat v. Schütz in fremde Hände gekommen. Das Rethemer Burglehen und die dazugehörige vor Rethem gelegene „Klotzeburg“ kam 1702 ebenfalls an v. Schütz.

Der Familie v. Honstedt verblieb nunmehr nur ihr Stammgut Frankenfeld und das Gut Eilte, das sie im 16. Jahrhundert erhalten hatte.

Nachdem die Familie v. Honstedt 1879 ausgestorben war - die Bewirtschaftung des Gutes hatte inzwischen ein Pächter, Ökonom Carl Bamberger, übernommen - ging Frankenfeld in den Besitz der Familie Feldmann, die es noch heute besitzt und in deren Eigentum es sich nunmehr bald 100 Jahre befindet, über.

Der Gutsbetrieb wird heute vom Betriebsleiter allein mit 100 ha Acker, 37 ha Grünland und 50 ha Wald bewirtschaftet. Die ideale Lage des Gutes direkt an der Aller, der große Park mit seinen wuchtigen und verschiedenartigen Bäumen und das große Gutshaus am Rande des Parkes mit seinem Anbau aus der Jahrhundertwende, sind Kostbarkeiten, die es nur noch selten gibt.

Seit 1964 wird das Gut nicht nur landwirtschaftlich genutzt. Auch der Fremdenverkehr hat Frankenfeld entdeckt. Durch Anlage von Ferienwohnungen konnten viele Großstädter, u.a. aus dem Ruhrgebiet, Hamburg und Berlin, „Ferien auf dem Bauernhof“ verleben. 1967 entstand inmitten des Parkes ein moderner Campingplatz für Winter- und Sommerbetrieb.

Eine besondere Attraktion bietet die amtlich zugelassene Wasserski-Strecke auf der Aller, die am Rittergut Frankenfeld beginnt und 1,5 km flußabwärts in Richtung Rethem verläuft. Doch auch der Naturfreund kommt auf seine Kosten. Auf der Aller, die unmittebar am Gutshaus vorbeifließt, tummeln sich allerlei Wasservögel. Hauptsächlich zur Zeit des Vogelfluges rasten die Tiere an diesem ruhigen Abschnitt der Aller besonders gern.

Wilhelm Richter / Cläre Helle-Feldmann

Das Herrenhaus des Rittergutes Frankenfeld wurde am 18.05.1990 durch ein bei Renovierungsarbeiten ausgebrochenes Feuer vernichtet. Im Jahr 1993 wurde ein Neubau errichtet, der durch seinen repräsentativen Charakter als Ersatz für das vernichtete Gebäude angesehen werden kann.